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Make-or-Buy-Entscheidung im Einkauf: Strategischer Leitfaden für 2026

Make or Buy Entscheidung

Das Wichtigste vorab:

Die Make-or-Buy-Entscheidung ist weit mehr als ein bloßer Kostenvergleich. Während kurzfristig die Total Cost of Ownership (TCO) den Ausschlag gibt, entscheiden langfristig Kernkompetenzen, Versorgungssicherheit und der Schutz von Know-how über den Erfolg. In einer volatilen Weltwirtschaft verschiebt sich der Trend aktuell weg von reiner Kostenersparnis hin zu strategischer Resilienz und technologisch souveräner Eigenfertigung.

 

Key Facts zur Make-or-Buy-Entscheidung

 

  • Kernfrage: Eigenfertigung (Make) oder Fremdbezug (Buy) von Leistungen.
  • Entscheidungsfaktor Nr. 1: Ist die Tätigkeit eine Kernkompetenz? (Wenn ja: Make).
  • Finanzielle Basis: Break-Even-Analyse und TCO-Vergleich (Total Cost of Ownership).
  • Risikomanagement: Vermeidung von Abhängigkeiten (Lock-in-Effekte).
  • Trend 2026: Zunahme von Reshoring und hybriden Sourcing-Modellen.

 

 

1. Definition: Was ist die Make-or-Buy-Entscheidung?

Make or Buy Entscheidung
Make or Buy Entscheidung
Im Kern geht es im Einkauf um die fundamentale Frage: Selbst machen oder machen lassen? Diese betriebswirtschaftliche Grundsatzentscheidung bestimmt die Wertschöpfungstiefe Ihres Unternehmens.

 

  • Make (Eigenfertigung): Die Leistung wird mit eigenen Ressourcen im Unternehmen erstellt.
  • Buy (Fremdbezug): Die Leistung wird von externen Spezialisten am Markt eingekauft (Outsourcing).

In Zeiten globaler Lieferengpässe ist diese Entscheidung heute hochdynamisch. Was jahrelang als klassisches “Buy”-Teil galt, wird aktuell oft zum Schutz der Lieferfähigkeit wieder ins eigene Haus geholt.

 

2. Die wichtigsten Entscheidungskriterien im Überblick

Eine fundierte Wahl stützt sich auf zwei wesentliche Säulen:

Harte Fakten (Quantitativ):

  • Produktionskosten: Personal, Material und Energie bei Eigenfertigung.
  • Investitionsbedarf: Benötigen Sie neue Maschinen oder Software-Lizenzen?
  • Logistikkosten: Fracht, Zoll und Lagerhaltungskosten beim Zukauf.

Strategische Faktoren (Qualitativ):

  • Kernkompetenz: Gehört das Bauteil zum “Herzstück” Ihres Business? (Dann: Make).
  • Marktmacht: Gibt es genug alternative Lieferanten oder droht ein Monopol?
  • Qualitätssicherung: Können externe Partner Ihre Standards halten?
  • Nachhaltigkeit (ESG): Haben Sie bei Eigenfertigung eine bessere CO2-Kontrolle?

 

3. Analysemethoden: TCO und die Break-Even-Formel

Professionelle Einkäufer verlassen sich auf valide Datenmodelle, um die Wirtschaftlichkeit zu prüfen.

Die Break-Even-Analyse (Kritische Menge):

Um den Punkt zu berechnen, ab dem die Eigenfertigung günstiger ist als der Zukauf, nutzt man folgende Formel:

x = Fixkosten der Eigenfertigung / (Einstandspreis Fremdbezug – Variable Kosten Eigenfertigung)

Hierbei ist “x” die Stückzahl, ab der sich die Investition in eigene Maschinen oder Prozesse rechnet. Ist der Bedarf höher als x, ist “Make” theoretisch rentabler.

“Ein niedriger Einkaufspreis ist oft nur der Köder, der die langfristigen Kosten einer strategischen Abhängigkeit verbirgt.”

Total Cost of Ownership (TCO):

Der Preis auf der Rechnung ist nur die Spitze des Eisbergs. Der TCO-Ansatz berücksichtigt zusätzlich Vorkosten (Lieferantensuche), direkte Kosten und Folgekosten (Wartung, Qualitätseinbußen).

 

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4. Strategisches Concurrent Sourcing: Das Beste aus beiden Welten

In der modernen Industrie gibt es oft kein hartes “Entweder-oder”. Ein fortgeschrittenes Modell ist das Concurrent Sourcing (Parallelfertigung).

Hierbei stellt das Unternehmen einen Teil des Bedarfs selbst her, während der Rest von externen Lieferanten bezogen wird.

 

  • Vorteil 1: Sie behalten das technologische Know-how im Haus.
  • Vorteil 2: Sie kennen die realen Herstellungskosten und können Preisverhandlungen auf Augenhöhe führen.
  • Vorteil 3: Bei Kapazitätsspitzen dient der Markt als Puffer, während die Grundlast stabil im eigenen Werk läuft.

 

5. Deep Dive: Die versteckten Kosten des Wechsels (Switching Costs)

Oft wird unterschätzt, dass ein Wechsel von “Buy” zu “Make” (Insourcing) oder umgekehrt massive Reibungsverluste verursacht.

 

  • Wissensverlust: Wer von “Make” auf “Buy” umstellt, verliert oft innerhalb weniger Monate das tiefe Prozesswissen. Ein späteres Zurückholen der Produktion ist dann extrem teuer.
  • Kultureller Widerstand: Outsourcing kann die Belegschaft demotivieren. Umgekehrt erfordert der Aufbau einer eigenen Fertigung völlig neue Management-Skills.
  • IT-Integration: Die Vernetzung der eigenen Systeme mit denen eines Lieferanten (EDI) erzeugt Kosten, die in einfachen Preisvergleichen oft fehlen.

 

6. Die strategische Portfolio-Logik für fundierte Entscheidungen

Zur schnellen Einordnung hilft die Kategorisierung der Komponenten:

 

  • Strategische Schlüsselprodukte: Hohe Bedeutung für das Endprodukt + wenige Anbieter am Markt. Empfehlung: Make.
  • Engpass-Produkte: Geringe Bedeutung, aber schwierige Beschaffung. Empfehlung: Buy mit hohen Sicherheitsbeständen.
  • Standard-Produkte (Commodities): Geringe Bedeutung + viele Anbieter (z. B. Normteile). Empfehlung: Konsequentes Buy.
  • Hebel-Produkte: Hohe Bedeutung + viele Anbieter. Empfehlung: Buy durch intensives Verhandeln der besten Konditionen.

“Wer die Kontrolle über seine wichtigsten Bauteile verliert, verliert langfristig die Kontrolle über seine eigene Innovationskraft.”

 

7. Praxisbeispiel: E-Bike-Hersteller vor der Systemfrage

Ein mittelständischer Hersteller von E-Bikes steht vor der Wahl, die Software für das Bord-Display selbst zu entwickeln (Make) oder eine Standardlösung einzukaufen (Buy).

 

  • Analyse: Die Software steuert das Fahrgefühl und die Vernetzung mit der App – ein absolutes Differenzierungsmerkmal (Kernkompetenz).
  • Kostenseite: Der Zukauf ist initial 30 % günstiger, wenn man nur die Lizenzgebühren betrachtet.
  • Entscheidung: Das Unternehmen wählt Make.
  • Grund: Die Abhängigkeit von einem Software-Zulieferer würde Innovationen verlangsamen. Durch die Eigenentwicklung behält der Hersteller die volle Kontrolle über Updates und Kundendaten, was den Marktwert der Marke langfristig deutlich steigert.

 

8. Prozessschritte zur sicheren Entscheidungsfindung

  1. Identifikation: Welches Teil oder welche Dienstleistung steht zur Prüfung?
  2. Datenerhebung: Einholen von Angeboten vs. Kalkulation der internen Vollkosten.
  3. Risikobewertung: Prüfung von Abhängigkeiten und Schutz von Know-how.
  4. Entscheidung: Abgleich der wirtschaftlichen Zahlen mit der langfristigen Strategie.
  5. Re-Evaluation: Regelmäßige Prüfung, da technologische Neuerungen (z. B. KI) Kostenstrukturen jederzeit verschieben können.

 

9. Fazit: Die strategische Make-or-Buy-Entscheidung sicher treffen

Die Make-or-Buy-Entscheidung ist im modernen Einkauf kein einmaliges Projekt, sondern ein permanenter Managementprozess. Während Standardkomponenten konsequent zugekauft werden sollten, um von Skaleneffekten zu profitieren, erfordern technologische Innovationen und kritische Schnittstellen oft die Kontrolle im eigenen Haus.

Die richtige Balance zwischen Kosteneffizienz (Buy) und strategischer Kontrolle (Make) sowie der Einsatz hybrider Modelle sind im Jahr 2026 die entscheidenden Wettbewerbsfaktoren für resiliente Unternehmen.

 

10. FAQ: Häufige Fragen zur Make-or-Buy-Entscheidung

Was ist das größte Risiko beim Fremdbezug (Buy)?

Das kritischste Risiko ist der Abfluss von Know-how und die Entstehung einer strategischen Abhängigkeit. Wenn ein Lieferant zum einzigen Anbieter wird, verlieren Sie die Preiskontrolle und riskieren bei Lieferunfähigkeit des Partners Ihren gesamten Produktionsprozess.

Wann sollte man trotz höherer Kosten auf Eigenfertigung (Make) setzen?

Das ist sinnvoll, wenn Sie geistiges Eigentum (IP) schützen müssen, die Qualität am Markt nicht Ihren Standards entspricht oder die Komponente ein Alleinstellungsmerkmal ist, das Sie von der Konkurrenz abhebt.

Welchen Einfluss hat das Lieferkettengesetz auf die Entscheidung?

Das LkSG ist ein massiver Treiber für Make-Entscheidungen. Da Unternehmen für die Standards ihrer gesamten Kette haften, entscheiden sich viele für die Eigenfertigung im Inland. Das minimiert Haftungsrisiken und macht die CO2-Bilanz transparenter.

Was ist der Unterschied zwischen Outsourcing und einer Make-or-Buy-Entscheidung?

Die Make-or-Buy-Entscheidung ist der analytische Prozess. Outsourcing hingegen ist die konkrete Umsetzung einer Buy-Entscheidung, bei der eine bisher intern erbrachte Leistung dauerhaft an einen externen Dienstleister übertragen wird.

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